Montag, 22. Dezember 2014

Weihnachtsfeier bei Siemens

Eine Weihnachtsfeier bei Siemens - ich rechnete mit einem Ambiente aus Stahl, Glas, hohen Räumen und jungen Menschen, die man auch für Investmentbanker hätte halten können. So kann man sich irren ...

Das alte Kellergewölbe in dem wir auftreten gehört zu unseren bisher urigsten Auftrittsorten. Kerzen flackern auf Tischen in den Nischen des Raumes. Kellner bieten Fingerfood an und obwohl ich sonst vor dem Singen nicht esse, kann ich dieses Mal nicht widerstehen. Streng genommen war es wohl Bruschetta - aber diese kam aus einer anderen Welt.

Die Atmosphäre der Feier ist herzlich und als wir auftreten herrscht bald eine Stimmung wie auf einem unserer Konzerte. Alle singen mit, klatschen und ringen uns eine um die andere Zugabe ab. Ein schöner Abschluss für ein ereignisreiches Jahr ...

2014 begann mit einem unvergesslichen Casting. Und mit Martina als neuen Sopran waren wir für den Kraftakt, der nun folgte gerüstet. Bis zum Sommer schrieben, arrangierten und lernten wir zehn neue Lieder. Nicht einmal ein Jahr nach unserer Gründung konnten wir so mit unseren Gästen unser erstes Konzert feiern. Gute Musik, ein ausverkauftes Haus und riesige Stimmung ... Für alle, die nicht kommen konnten haben wir einen kurzen Zusammenschnitt angefertigt.

Dem folgte keinen Monat später eines meiner bisher bewegendsten Erlebnisse als Musiker - der Abschied von Philipp Brammer. Zunächst sangen wir auf seiner Beerdigung. Später nahmen wir für die Trauergäste und Freunde im Tonstudio "I g'hör do hie" auf. In dieser Zeit habe ich viel über ihn erfahren. Und diese Gespräche, wie auch die Momente der gedankenverlorenen Stille haben mich tief berührt - und tun es rückblickend noch heute.

In dieser Zeit zog es Martina weiter auf die Musicalbühnen dieser Welt und wir fanden Steffi - unseren Beitrag zum Erhalt der Bayrischen Sprache. Ein Anliegen, das uns wichtig ist, insbesondere seit die Unesco sie als schützenswert eingestuft hat - also nicht Steffi ... was natürlich nicht heißt ... hrrng, wie komme ich denn jetzt aus dieser Kiste wieder raus?

Ich freu' mich auf 2015 ...

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Geburtstag in Grünwald

"Wir hätten gerne den Witzigen für unsere Feier" "Wir können nur zu fünf auftreten." "Nein, der Witzige reicht."

Durch eine kleine Türe in der offen stehenden Garage treten wir auf das Grundstück und stehen auf einem wunderschönen, großzügig angelegten Rasen. Die angestrahlten Bäume geben den Konturen sanfte Akzente und im Hintergrund sehen wir durch hohe Sprossenfenster die Gäste der Feier. Ein kleiner Durchlass führt auf den gepflasterten Weg zum Haupteingang und mir wird bewusst, dass dies eben nicht der Garten war, sondern einfach nur die Wiese hinter der Garage. Es gibt eine Welt, die mir bisher verborgen geblieben ist ... die Possenhofener Schlösser der Gegenwart.

Wenn wir privat gebucht werden, sind wir immer auch Gäste. So auch dieses Mal.Wir werden herzlich empfangen, lachen und erzählen mit den Freunden der Familie, verbringen einen wundervollen Abend, während dem wir unseren ersten Auftritt mit Steffi geben. Es ist kaum zu glauben, dass sie gerade erst drei Monate bei Alpenlounge ist. Das sind Abende, die Spaß machen, den Gastgebern, den Gästen und auch uns. Oder in den Worten, mit denen wir verabschiedet wurden: "Vielen Dank - sie haben uns viel Freude bereitet." "Wir haben für diesen Abend zu danken. Die Freude war ganz auf unserer Seite."

Sonntag, 5. Oktober 2014

1 Tag im Tonstudio: "Rikscha" ist drin

Durch zwei schwere Stahltüren trete ich auf einen langgezogenen Flur. Rechts und links zweigen verschiedene Aufnahmeräume ab. Langsam gehe ich an den gepolsterten Doppeltüren vorbei, durch die dumpf Musik dringt.  - Hip Hop - Rock - Punk - ich bleibe stehen, als ein gewaltiger Riff meine Aufmerksamkeit erregt. Fetter Metal-Funk, Distortion, Gitarre und Bass laufen parallel, dann der Vokaleinsatz: "Scheiß Sommer!"

Ich schaue den Gang weiter hinunter, an dessen Ende unser Aufnahmeraum liegt. Irgendwie habe ich das Gefühl gleich vor einem Hünen von Tontechniker mit Biker-Tatoos und "Prospect" - Aufnäher zu stehen, dem ich erklären muss dass er heute a cappella abmischen wird. Dann fallen mir die goldenen CDs an der Wand auf ... Michael Mittermeier war hier ... Na dann ... Ich betrete den Aufnahmeraum und stehe vor Daniel, einem jugendlichen Zehnkämpfer mit unerschütterlich guter Laune, der uns für den Rest des Tages jeden Wunsch von den Augen ablesen wird. Alles passt.

Bernd singt seine Stimme als erster ein. Er zieht die Kopfhörer über und kann seine Vorfreude kaum verbergen. "Sing mal irgendwas, damit ich dich aussteuern kann" sagt Daniel. Dann folgt nur noch
" Hölle ..." Bernds unglaublicher Bass füllt den Regieraum. Zwei Takes später ist die Spur eingesungen und ich bin der festen Überzeugung, dass alles was nicht das tiefe E erreicht eine Frauenstimme ist und bei Elmar Gunsch der Stimmbruch ausgesetzt hat.

Dann ist Bernhard an der Reihe. Er singt präzise, rhythmisch auf den Punkt, blitzsauber in der Intonation bis... der Originaltext lautet: "Sie hob den Finger, sagte: ,Nein, ich genieß das Wetter lieber doch allein" Statt dessen hören wir aus den Boxen: "Sie schob den Finger ..." Wir werden nie erfahren wohin ... aber wir brauchen einen Moment bis wir mit den Aufnahmen fortfahren können. Dann ist auch er in zwei Takes durch.

Cordula arbeitet auf der Bühne mit der Atmosphäre, kann die magischen Momente, die mit dem Publikum entstehen sofort in Musik umsetzen. Nun steht sie wie ein Fisch ohne Wasser vor dem Mikro. Selbst unsere wahnsinns Performance, die sie durch die Scheibe sehen kann, ändert daran nichts. Dann macht sie die Augen zu und schaltet auf Kopfkino. Daniels Kommentar: "Echt amtlich".

Steffi steht vor der grössten Herausforderung. Wir hatten erst wenige gemeinsame Proben und nun muss sie sich unter diesen erschwerten Bedingungen in den Klang einfinden. Am Ende haben wir jedoch auch ihre Stimme erfolgreich eingefangen. Gut gemacht.
Go Alpenlounge! Was für ein Tag ... ich freue mich schon unglaublich auf das Ergebnis.

Mittwoch, 3. September 2014

Stefanie Horn neuer Sopran bei Alpenlounge

"Mehr Glück als Verstand" würden Neider sagen. "Du bist schon immer auf der sonnigen Seite der Straße gelaufen" die Freunde. Beides beschreibt was passiert ist. Ein Anruf: "Guido, ich hätte da jemanden, der zu euch passt", eine gemeinsame Probe und wir wussten, dass wir kein Casting brauchen.

Steffi bringt bei Alpenlounge jedoch noch viel mehr ein als "nur" ihre tolle Stimme und Musikalität. Sie ist Lehrerin für Mathematik und Religion am Staffelsee-Gymnasium in Murnau. Und es sind genau diese Fächer, die in unserem Probenalltag eine wichtige Rolle spielen.

So arbeiten wir zum Beispiel ständig mit der Summenformel. Im Prinzip jedes Mal wenn jemand seinen Text vergessen hat - wobei sie eigentlich aus der musikalischen Massenbewegung der 70er Jahre entspringt, als die Menschen nach einem Weg suchten, sprachübergreifend gemeinsam zu singen. Mit Hilfe dieser Formel konnten sie dann schnell ableiten, wie sich eine Melodie am besten summen lässt. Es gibt ja nichts, womit sich die Wissenschaft nicht beschäftigt ...

Und auch der Begriff des Glaubens wird in unseren Proben immer wieder aufgegriffen. Meistens von Bernhard während er auf der Pitch den Grundton des folgenden Liedes angibt. Aber das möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Diesem Thema werde ich in meinen Memoiren ein eigenes Kapitel widmen. Ich werde darin auch einen historischen Exkurs auf alttestamentarische Lösungsansätze dieser Problematik aufnehmen. Es ist beispielsweise hoch interessant, dass aus der Tradition des "Ton um Ton" über die Ritualisierung des sich ständigen, gegenseitigen Zublasens falscher Töne, die ersten Vorläufer heutiger Jazz-Blockflöten-Ensembles entstanden sind.

Was ich damit aber eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollte war: Egal ob nun die Bezeichnung "Immer auf der Sonnenseite des Lebens" oder "mehr Glück als Verstand" besser zutrifft, unseren nächsten Auftritt mit Steffi sollte niemand verpassen ...

Sonntag, 31. August 2014

Martina als Musicalsängerin immer gefragter

Martina Erd in "Hello Dolly"
"Ich starte jetzt richtig durch" freut sich Martina, als sie von ihrer Zukunft in der Welt des Musicals spricht. Derzeit steht sie im Zirkus Krone mit "Jesus Christ Superstar" auf der Bühne und es ist schön zu sehen, wie konsequent sie ihren Traum lebt, ohne sich von den vielen Kompromissen vom Weg abbringen zu lassen, die das Leben uns abringt.

Und so ist die Atmosphäre in der Probe freudig, als sie von ihren Plänen spricht, obwohl allen klar ist was dies für Alpenlounge bedeutet. Da sie aufgrund der Engagements über lange Zeiträume Abends nicht mit uns proben oder auftreten kann, müssen wir ihre Stimme nach besetzen  ...

Wir haben viel Fahrt aufgenommen im letzten halben Jahr. Unser Konzertprogramm beinhaltete zehn Premieren, darunter Lieder, die wir erst kurz vor dem Konzert zum ersten Mal gemeinsam gesungen haben. Es waren spannende Monate, in denen Martinas Erfahrung und Professionalität eine wertvolle Stütze waren. Ich freue mich schon darauf, sie in Zukunft in dem einen oder anderen Afterglow zwischen uns zu nehmen und diese Zeit noch einmal aufleben zu lassen.

Dienstag, 12. August 2014

"I g'här do hie" für Philipp Brammer

"Jede freie Minute verbrachte er in den Bergen" sagt Dominique Brammer. "Da fühlte er sich frei." Und als am 28 Juli ein Aufnahmetermin verschoben wurde fuhr er spontan in die Alpen. Nach einer Woche des Wartens und Hoffens nahm die Nachricht von seinem Absturz seiner Familie jede Hoffnung auf die Rückkehr.


Sie wünsche sich, dass wir an seinem Grab "I g'här do hie" singen, sagt sie.

Als wir in Gräfelfing zur Beerdigung eintreffen überraschen mich die vielen Menschen. Ich kenne Beerdigungen bisher nur im "kleinen" Kreis. Sie sind still. Hier stehen, bewegen sich, niesen, tuscheln 800 Trauergäste. Tageszeitungen sind anwesend, Fotografen begleiten den Trauerzug ... Als der Pfarrer uns ein Zeichen gibt treten wir an das offene Grab und singen.


I g'här do hie
(Text und Musik: Guido Vincent von Weber)


Im Rück'n die Alpen und i g'spür an Wind und i woaß, dass i do dahoam bin. Und vor mir da See, in dem bin i g'schwomma ois Kind. Und i gspür, i g'här do hie.

Hob nix gega Hamburg und nix gega Berlin, doch weg dad i niemois ned ziag'n. Do bin i glückli, und nix auf der Welt hot wos, des mi länga hält. 


I brauch meine Alpn, und i brauch aa mein See. Brauch an weiß-blauen Himmi, ja mei is des schee! I brauch Oima im Summa und im Winta an Schnee. Do gibt's für mi g'wis nix scheenas, ois wenn i auf Schiern steh in luftiger Höh.  


Im Dirndl zur Hochzeit, a jeda Bua richt' si her. Si da zu verliabm foit ned schwer. Vor da Kirchn a Kutschn, es steign Daubn auf, trag'n ihr Weiß in an blau'n Himmi nauf.


Hob nix gega Hamburg und nix gega Berlin, doch do g'här i hoit hie. Do bin i glückli, do fühl i mi frei. I g'här do hie, do bleib i dabei.
  
I brauch meine Alpn, und i brauch aa mein See. Brauch an weiß-blauen Himmi, ja mei is des schee! I brauch Oima im Summa und im Winta an Schnee. Do gibt's für mi g'wis nix scheenas, ois wenn i auf Schiern steh in luftiger Höh.
    
       G'här do hie, i g'här, i g'här do hie

Samstag, 9. August 2014

Konzert auf der Seebühne Hohentann

Auf der halben Strecke zum Chiemsee liegt Hohentann. Und so ist dieses Mal bereits der Weg zum Auftritt ein Genuss. Wir tauchen 70 Kilometer in die Natur ein, fahren über malerische Felder und durch Waldstraßen, in denen sich die Lichtstrahlen einzeln durch die dunklen Baumkronen schlagen. In Hohentann angekommen halten wir kurz an und genießen die Alpenkulisse bevor wir weiter zum Auftrittsort fahren.

Die Feier ist exklusiv. Ein dutzend Geburtstagsgäste grillen auf der Gartenterasse und nach kurzem Einsingen werden wir auf die hauseigene "Seebühne" am Gartenteich geführt. Der Gastgeber hatte uns im Freien Musikzentrum gehört und sich aus dem dortigen Programm eine Auswahl an Liedern gewünscht. Und so stehen wir in der Abenddämmerung am Wasser und singen bei zirpenden Grillen ... das Leben ist ein Geschenk.

Tom Gschrey
(1965 - 2013)
Es ist ein wunderschöner Abend und doch erfahre ich etwas, das mich sehr betroffen macht. Unter den Gästen ist ein Musiker der Münchner Philharmoniker und nach wenigen Minuten entdecken wir, dass wir einen gemeinsamen Bekannten hatten - Tom Gschrey. Ende 2010 rief Tom mich an und bat mich, ein Stück für sein Duo "klassik modern" zu schreiben (Blogeintrag vom 18.12.2010). Und so trafen wir uns von da an regelmäßig am Gärtnerplatztheater, wo er spielte. Zunächst, um uns persönlich kennen zu lernen, dann, um über das Stück zu sprechen und später, weil es einfach Spaß machte, sich zu sehen. Wie so oft wenn man keine konkreten gemeinsamen Projekte hat, wurden die Zeiträume zwischen den Telefonaten immer größer. Und immer wieder, wenn ich wegen eines Anrufs durch die Adressliste scrollte und seinen Namen sah, dachte ich "Mensch, wie es dem wohl geht? Müsst' ich mal wieder anrufen. Mach ich morgen ..." Hab's immer einen Tag weiter geschoben, weil ich dachte, ich hätte dafür noch so viel Zeit. Und nun erfahre ich auf dieser wundervollen Geburtstagsfeier, dass ich den Anruf seit geraumer Zeit auf ein "morgen" schiebe, während es das für ihn schon lange nicht mehr gibt. Es tut mir leid, Tom.