Sonntag, 3. Juli 2016

60 Jahre Murnau Club - Das Debut

Murnau - diesmal habe ich darauf geachtet, dass ich das Haus mit vollem Tank verlasse. Gebucht waren wir zu dem Jubiläum: "60 Jahre Murnau Club". Gegründet, um zwischen den Murnauern und den Amerikanern ein Forum zu schaffen, einen Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches.

Inzwischen befinden sich keine Amerikaner mehr im Club, was die Vereinstätigkeit jedoch nicht stört, gilt Amerika, eine Stadt in Mittelsachsen, inzwischen doch als kulturell voll integriert ...

... nein ... nochmal ...

Amerikaner befinden sich nicht mehr im Club, seit sie Murnau 1961 mit Schließung der Pionierschule "Kimbro-Barracks" verließen. Geblieben ist die Tradition, sich regelmäßig zu kulturellen Anlässen zu treffen. - Der perfekte Rahmen für unser Debut mit Pauline.

Wir wechseln uns mit Heinz Müller, Schauspieler am Thurmtheater Regensburg ab, der Auszüge aus Werken von Ödön von Horváth, Martin Walser oder Hanns-Josef Orhteil vorträgt. Er ist faszinierend. Sähe ich ihn nicht lesen, ich wäre davon überzeugt, ihm fielen die Geschichten gerade spontan ein.

Das Publikum klatscht begeistert, er lächelt, nickt kurz und setzt sich. Wir sind wieder dran. Zwei Blicke und es geht los. Als ob wir schon immer gemeinsam gesungen hätten, stehen wir am Bühnenrand... Es macht unheimlich Spaß, vor und auf der Bühne und so feiern wir auch anschließend, wie so oft, nach unserem Auftritt gemeinsam mit unseren Gastgebern weiter.

Um kurz nach eins stehen wir in der stillen, romantischen Innenstadt Murnaus. Es nieselt leicht und wie die Tropfen uns aus der Dunkelheit benetzen durchdringt ein leiser metallischer Ton die Nacht. Bernhard steckt die Pitch Pipe lächelnd wieder ein und - den schlafenden Murnauern schulde ich eine Entschuldigung - "Dies ist die Stunde" hallt durch die stillen Straßen bevor wir uns auf den Weg nach Hause machen.

Facebook-Kommentar von Jac-Peter Tölkes:
"Herzlichen Dank für den klasse Auftritt gestern Abend! Sehr schöne Musik, wunderbare Stimmen, geist- und humorvolle Texte und Überleitungen. Ein wahrer Genuss. Vergilt's Gott. - Ich freue mich schon auf den 19.11.2016 im Griesbräu zu Murnau."

Donnerstag, 18. Februar 2016

Pauline Weindorf neuer Alt bei Alpenlounge

"Guido, spontan - was fällt dir ein zu: Weindorf?" Ich wäre innerlich sofort den Kaiserstuhl abgegangen. Oder auf der Karte durch das Rheingau, wo der beste Riesling der Welt angebaut wird. Kenner sprechen in diesem Fall dann von Prädikatsweinen, was an sich ja schon ein dezenter Hinweis auf die Wirkung des Weines auf das Sprachzentrum ist, da "Wein" ein Substantiv ist und daher zwar als Sub- oder Objekt verwendet werden kann, niemals jedoch als Prädikat. - Ich schweife ab ... Also würde mich heute jemand fragen, was mir zu Weindorf einfallen würde, wäre meine spontane Antwort natürlich: "Pauline!" "Aha, wo liegt das?"

"Two blocks from Birdland."

Mit einem Schmunzeln tritt sie in ihren Solopassagen aus dem Ensemble heraus und haucht den Liedern ihr Leben ein.

Bisher war ich davon überzeugt, dass eine Komposition aus vier Zutaten besteht: Text, Melodie, Harmonien und Arrangement, so wie Köche auch von einer Komposition sprechen wenn viele Zutaten in genau der einen Abstimmung ein perfektes Rezept ergeben. - Es reicht nicht, einen guten Text zu einer guten Melodie zu schreiben und ein gelungener harmonischer Bogen ist keine Komposition. Erst das richtige Zusammenspiel aus allen Elementen schafft erschafft ein Lied, das die Menschen berührt. Die Sänger sind ein Instrument ...

... dachte ich ...

... welch Hybris. In jeder Probe zeigt mir Pauline, dass die wichtigste Zutat die Interpretation ist. Sie hebt das Lied auf eine andere Ebene. Aber jetzt höre ich auf zu schwärmen. Am besten kommt Ihr zu unserem nächsten Konzert und überzeugt Euch davon, dass ich untertreibe ...

... ja, ja, den Spruch mit der Prädikatssängerin habe ich mir jetzt gespart ...

Sonntag, 3. Januar 2016

Weihnachtskonzert im Münchner Künstlerhaus

Die Weihnachtssaison nähert sich und wir haben trotz zahlreicher Castings noch nicht die richtige Altistin für Alpenlounge gefunden. Da es nun Zeit wird, mit den Proben zu beginnen rufe ich Rainer Seifert, einen guten alten Freund, an und frage ihn ob er für die anstehenden Auftritte einspringt. Er sagt sofort zu und übt zwischen Zauberflöte und Messias das komplette Programm für unsere anstehenden Auftritte ein - an dieser Stelle noch einmal tausend Dank, Rainer!

Unser erster Auftritt im Münchner Künstlerhaus
ist ein ganz besonderer Anlass. Es zählt für mich nicht nur zu den schönsten Gebäuden Münchens. Es verkörpert auch das, was mich an der Kunst so sehr fasziniert - das Überschreiten der eigenen Grenzen durch die Zusammenarbeit mit Anderen. Nicht umsonst stand in der Urkunde zur Grundsteinlegung: "... Das Haus soll allen Künstlern Münchens ... ein Mittelpunkt für Frohsinn und ernste Tat (sein) ..." Und so ist es in München von je her ein gattungsübergreifender Schmelztegel der Kunst in denen bereits Lenbach, Wagner, Bruckner, Wilhelm Busch und viele Andere verkehrten.

Flyer zu unserem Auftritt
Noch eine viertel Stunde bis zum Auftritt. Auf persönliche Einladung der Präsidentin, Frau Maja Grassinger dürfen wir hier unser Weihnachts-programm vorstellen. Beim Ankleiden entdecke ich, dass ich mein Hemd vergessen habe. Für einen Sprung ins Kaufhaus bleibt jetzt keine Zeit mehr. Und während ich überlege wie ich die Situation auflösen kann reicht mir Rainer seines: "Mir sieht man es nach wenn ich auf der Bühne etwas anderes trage."

Bernhard           Rainer        Steffi              Guido             Bernd
In der erste Hälfte unseres Konzerts präsentieren wir 8 Weihnachtslieder in neuen, jazzig-poppigen Arrangements. Nach der Pause singen wir eine Auswahl an Liedern unseres Kleinkunstprogramms. Ich genieße es immer wieder wenn das Publikum mitmacht und man im Konzert gemeinsam Spaß hat. Seit Jahren freut es mich, wenn mir während des Liedes "Ober zack 'n Helles" ein Gast beim Kellner ein Bier bestellt und es mir auf die Bühne bringt. Und das geschieht nahezu jedes Mal. In Nürnberg flogen bei "Warum nie bei mir" zum ersten Mal Teddybären auf die Bühne. Voller Spannung warte ich nun ab, was dieses mal passiert. Und es fliegt ... eine Stulpe ... ja ... ich singe "Sie werfen Hösschen" und es kommt eine gehäkelte Socke ...  Es ist schwer zu singen wenn man lachen muss ...

Facebook-Kommentar von Marga Barbara:
"... Es war das erste, aber nicht das letzte Konzert ... Ich war hin und weg !!!! Solche Stimmen, solch ein Rhythmus - da bleiben die Füße nicht ruhig. Ich freue mich auf weitere Veranstaltungen !!!! DANKE !!"

Sonntag, 6. September 2015

Standing Ovations in Nürnberg

Auf der über zweistündigen Fahrt nach Nürnberg drehen sich unsere Gespräche vor allem um die Frage, ob es uns gelungen ist, an einem Ort, an dem uns niemand kennt, ausreichend Publikum zu gewinnen. Unsere Befürchtungen erweisen sich als unbegründet. Das PARKS ist großzügig bestuhlt, aber randvoll.

Kurz vor dem Konzert kommt Stefanie Schardien, unser erster Sopran hinter die Bühne, die hier ganz in der Nähe wohnt. Von ihr stammen aus unserem aktuellen Programm die wundervollen Texte "Über jede Mauer" und "Mach das Herz weit auf" (siehe hierzu auch Blogeintrag 11.11.2013). Es ist schön zu sehen, wie sie die Lieder während des Konzerts im Publikum mitsingt ...

Neben den vielen neuen Gesichtern entdecke ich auch einige aus dem Griesbräu und der Drehleier. Sie haben Freunde mitgebracht und wie ich singe: "Die Mädchen kreischen und wollen mehr, sie werfen Höschen und Kuschelbär'n ..." fliegen aus allen Ecken Stofftiere auf die Bühne. Was soll ich sagen ... das macht schon eine Menge Spaß.

Als das Konzert mit der letzten Zugabe abschließt steht der erste Besucher auf, dann der Zweite - am Ende stehen alle und applaudieren minutenlang während wir einfach nur darstehen. Das ist einer der Momente, in denen auch ich mir nicht mehr sicher bin, ob das nicht alles ein wunderschöner Traum ist. Danke für Euren Besuch!

Facebook-Kommentar von An Dreha:
"Toller Abend in Nürnberg, wow !!"

Claudia schreibt:
"Es war ein wundervoller Abend. Nochmals herzlichen Dank!"

 Und Nadine:

"Vielen Dank für den tollen Abend! Klasse Leistung - stimmlich und textlich ... ging mehrfach unter die Haut - regt zum Nachdenken an! Da kann sich so manch einer eine große Scheibe abschneiden ... freue mich auf das nächste Mal!"

Wir uns auch!



Ein Hoch auf die Drehleier!

Es ist kaum zu verstehen warum die Drehleier ein ewiger Geheimtipp bleibt. Sie hat alles was eine Bühne braucht. Sie liegt im Szene- und Amüsierviertel Haidhausen, hat für Kleinkunst genau die richtige Größe und ist mit den roten Samtvorhängen sowie den alten dunklen Holzmöbeln ausgesprochen stimmungsvoll eingerichtet. - Trotzdem gelingt ihr nicht der Schritt aus dem Schatten ihrer Schwabinger Konkurrenten. Unser kleiner Beitrag, sie neuem Publikum vorzustellen ist nun, unser diesjähriges Münchner Sommerkonzert hierhin zu legen.

Wir sind sehr dankbar für die Fotos, die Ihr von unseren
Konzerten macht und uns zusendet, da wir sie ja selbst nicht ...
Und wir freuen uns wirklich über jedes Bild.  
Aufgrund der Raumakkustik müssen wir in der Drehleier mit Mikrophonen singen. Das ist für uns absolutes Neuland. Gekauft waren sie schnell, geübt haben wir auch reichlich, aber ich gebe unumwunden zu, dass der Tontechniker nun ein paar graue Haare mehr hat ... 

Seinen Job hat er trotzdem gut gemacht: das Publikum ist begeistert. Mein persönlicher Höhepunkt: der Jubelsturm nach "Dies ist die Stunde" aus dem Musical "Jekyll & Hyde".


Facebook-Kommentar von Ari Ane: 
"Ein tolles Konzert gestern im Theater Drehleier. Ich habe es genossen. Weiterhin viel Erfolg!"

Was für ein Sommer!


Sonnenaufgang in Murnau
Ruhig und wundervoll idyllisch liegt Murnau am Alpenrand. Der ideale Ort für unser erstes Sommerkonzert - zumal mit Steffi und Bernd inzwischen zwei von uns hier wohnen. Murnau lässt sich übrigens auch sehr gut zu Fuß erreichen. - Die letzten Kilometer vom Wald zum Ort sind besonders schön - in beide Richtungen - ja, selbst mit einem Ersatzkanister Benzin lassen sich das Zwitschern der Vögel und der frische Duft der Tannen genießen.

Stark verspätet betrete ich das Griesbräu. Der Soundcheck ist nahezu abgeschlossen und ich erfreue mich an den teils erleichterten Blicken meiner Mitsänger, mit denen ich anschließend probe bis sich das Griesbräu zu füllen beginnt.

Einmal mehr ein ausverkauftes Haus. Das Publikum hat Spaß und mit "Wie kimmi nur do hi?" eröffnet Steffi unser erstes gemeinsames Konzert. Was für eine Stimme und was für eine Ausstrahlung. Sie ist im Sopran die perfekte Besetzung. Die Zeit verfliegt und nach dem Konzert sitzen wir mit dem Publikum bis in die Morgenstunden im Griesbräu. Es ist ein wunderschöner Abend an einem der schönsten Fleckchen dieser Erde.

Murnau, wir kommen wieder!


Montag, 16. Februar 2015

Sweet 18 - Geburtstag bei a cappella-Fans

Ihre Tochter sei Wise Guys Fan und sie wollen ihr als Überraschung zum 18. Geburtstag a cappella schenken sagten die Eltern. - Uns zu buchen war da definitiv die richtige Entscheidung ...

... dieses Mal verschlug es uns in den Münchner Süden und als wir eintrafen wurden wir schnell in den Keller geführt, damit wir uns dort unentdeckt einsingen konnten. Dass nun gerade in diesem Raum der Kicker stand, war da etwas kontraproduktiv und stellte in der folgenden halben Stunde eine größere Herausforderung an unsere Selbstdisziplin dar. Dann öffnete sich die Türe einen Spalt "Wäret ihr soweit?" Wir waren.

Unser Auftritt hielt nicht nur für das Geburtstagskind eine große Überraschung bereit, sondern auch für mich. Seit vielen Jahren singe ich inzwischen "Ober zack, ein Helles". Und zu meiner Freude wenn auch zugleich oft zum Neid meiner Mitsänger bringt mir bei dem Lied so gut wie immer jemand ein Helles auf die Bühne. Irgendjemand aus dem Publikum, spontan, auch bei großen Konzerten an den Bühnenrand - so schön kann Musik sein. Und unsere heutigen Gastgeber haben da noch einen drauf gesetzt. Sie brachten mir bei dem Lied ein Kölsch ... Ja, da können kleine Gesten große Freuden bereiten.

Apropos Wise Guys. 1995 - ja, gegen Ende des letzten Jahrtausends - sang ich in Köln in der Doo-Wop Gruppe "The UntunaBells". Der Name war Programm, da Spaß uns um einiges wichtiger war als Intonation. Gleichzeitig kannte ich die Wise Guys sehr gut, die damals noch in der Fußgängerzone und gerne auch mit Gitarren auftraten. Als ich hörte, dass Christoph Tettinger dort ausgestiegen war sagte ich zu ,meinem' Bass: "Ferenc, kennst Du die Wise Guys?" "Nö, wieso?" "Wenn ich du wäre, würde ich da jetzt mal vorsingen ..." Hier nun ein ganz besonderes Sammlerstück: Eine Aufnahme mit Ferenc bevor er ein Wise Guy wurde: The UntunaBells: Patricia.