Sonntag, 6. September 2015

Standing Ovations in Nürnberg

Auf der über zweistündigen Fahrt nach Nürnberg drehen sich unsere Gespräche vor allem um die Frage, ob es uns gelungen ist, an einem Ort, an dem uns niemand kennt, ausreichend Publikum zu gewinnen. Unsere Befürchtungen erweisen sich als unbegründet. Das PARKS ist großzügig bestuhlt, aber randvoll.

Kurz vor dem Konzert kommt Stefanie Schardien, unser erster Sopran hinter die Bühne, die hier ganz in der Nähe wohnt. Von ihr stammen aus unserem aktuellen Programm die wundervollen Texte "Über jede Mauer" und "Mach das Herz weit auf" (siehe hierzu auch Blogeintrag 11.11.2013). Es ist schön zu sehen, wie sie die Lieder während des Konzerts im Publikum mitsingt ...

Neben den vielen neuen Gesichtern entdecke ich auch einige aus dem Griesbräu und der Drehleier. Sie haben Freunde mitgebracht und wie ich singe: "Die Mädchen kreischen und wollen mehr, sie werfen Höschen und Kuschelbär'n ..." fliegen aus allen Ecken Stofftiere auf die Bühne. Was soll ich sagen ... das macht schon eine Menge Spaß.

Als das Konzert mit der letzten Zugabe abschließt steht der erste Besucher auf, dann der Zweite - am Ende stehen alle und applaudieren minutenlang während wir einfach nur darstehen. Das ist einer der Momente, in denen auch ich mir nicht mehr sicher bin, ob das nicht alles ein wunderschöner Traum ist. Danke für Euren Besuch!

Facebook-Kommentar von An Dreha:
"Toller Abend in Nürnberg, wow !!"

Claudia schreibt:
"Es war ein wundervoller Abend. Nochmals herzlichen Dank!"

 Und Nadine:

"Vielen Dank für den tollen Abend! Klasse Leistung - stimmlich und textlich ... ging mehrfach unter die Haut - regt zum Nachdenken an! Da kann sich so manch einer eine große Scheibe abschneiden ... freue mich auf das nächste Mal!"

Wir uns auch!



Ein Hoch auf die Drehleier!

Es ist kaum zu verstehen warum die Drehleier ein ewiger Geheimtipp bleibt. Sie hat alles was eine Bühne braucht. Sie liegt im Szene- und Amüsierviertel Haidhausen, hat für Kleinkunst genau die richtige Größe und ist mit den roten Samtvorhängen sowie den alten dunklen Holzmöbeln ausgesprochen stimmungsvoll eingerichtet. - Trotzdem gelingt ihr nicht der Schritt aus dem Schatten ihrer Schwabinger Konkurrenten. Unser kleiner Beitrag, sie neuem Publikum vorzustellen ist nun, unser diesjähriges Münchner Sommerkonzert hierhin zu legen.

Wir sind sehr dankbar für die Fotos, die Ihr von unseren
Konzerten macht und uns zusendet, da wir sie ja selbst nicht ...
Und wir freuen uns wirklich über jedes Bild.  
Aufgrund der Raumakkustik müssen wir in der Drehleier mit Mikrophonen singen. Das ist für uns absolutes Neuland. Gekauft waren sie schnell, geübt haben wir auch reichlich, aber ich gebe unumwunden zu, dass der Tontechniker nun ein paar graue Haare mehr hat ... 

Seinen Job hat er trotzdem gut gemacht: das Publikum ist begeistert. Mein persönlicher Höhepunkt: der Jubelsturm nach "Dies ist die Stunde" aus dem Musical "Jekyll & Hyde".


Facebook-Kommentar von Ari Ane: 
"Ein tolles Konzert gestern im Theater Drehleier. Ich habe es genossen. Weiterhin viel Erfolg!"

Was für ein Sommer!


Sonnenaufgang in Murnau
Ruhig und wundervoll idyllisch liegt Murnau am Alpenrand. Der ideale Ort für unser erstes Sommerkonzert - zumal mit Steffi und Bernd inzwischen zwei von uns hier wohnen. Murnau lässt sich übrigens auch sehr gut zu Fuß erreichen. - Die letzten Kilometer vom Wald zum Ort sind besonders schön - in beide Richtungen - ja, selbst mit einem Ersatzkanister Benzin lassen sich das Zwitschern der Vögel und der frische Duft der Tannen genießen.

Stark verspätet betrete ich das Griesbräu. Der Soundcheck ist nahezu abgeschlossen und ich erfreue mich an den teils erleichterten Blicken meiner Mitsänger, mit denen ich anschließend probe bis sich das Griesbräu zu füllen beginnt.

Einmal mehr ein ausverkauftes Haus. Das Publikum hat Spaß und mit "Wie kimmi nur do hi?" eröffnet Steffi unser erstes gemeinsames Konzert. Was für eine Stimme und was für eine Ausstrahlung. Sie ist im Sopran die perfekte Besetzung. Die Zeit verfliegt und nach dem Konzert sitzen wir mit dem Publikum bis in die Morgenstunden im Griesbräu. Es ist ein wunderschöner Abend an einem der schönsten Fleckchen dieser Erde.

Murnau, wir kommen wieder!


Montag, 16. Februar 2015

Sweet 18 - Geburtstag bei a cappella-Fans

Ihre Tochter sei Wise Guys Fan und sie wollen ihr als Überraschung zum 18. Geburtstag a cappella schenken sagten die Eltern. - Uns zu buchen war da definitiv die richtige Entscheidung ...

... dieses Mal verschlug es uns in den Münchner Süden und als wir eintrafen wurden wir schnell in den Keller geführt, damit wir uns dort unentdeckt einsingen konnten. Dass nun gerade in diesem Raum der Kicker stand, war da etwas kontraproduktiv und stellte in der folgenden halben Stunde eine größere Herausforderung an unsere Selbstdisziplin dar. Dann öffnete sich die Türe einen Spalt "Wäret ihr soweit?" Wir waren.

Unser Auftritt hielt nicht nur für das Geburtstagskind eine große Überraschung bereit, sondern auch für mich. Seit vielen Jahren singe ich inzwischen "Ober zack, ein Helles". Und zu meiner Freude wenn auch zugleich oft zum Neid meiner Mitsänger bringt mir bei dem Lied so gut wie immer jemand ein Helles auf die Bühne. Irgendjemand aus dem Publikum, spontan, auch bei großen Konzerten an den Bühnenrand - so schön kann Musik sein. Und unsere heutigen Gastgeber haben da noch einen drauf gesetzt. Sie brachten mir bei dem Lied ein Kölsch ... Ja, da können kleine Gesten große Freuden bereiten.

Apropos Wise Guys. 1995 - ja, gegen Ende des letzten Jahrtausends - sang ich in Köln in der Doo-Wop Gruppe "The UntunaBells". Der Name war Programm, da Spaß uns um einiges wichtiger war als Intonation. Gleichzeitig kannte ich die Wise Guys sehr gut, die damals noch in der Fußgängerzone und gerne auch mit Gitarren auftraten. Als ich hörte, dass Christoph Tettinger dort ausgestiegen war sagte ich zu ,meinem' Bass: "Ferenc, kennst Du die Wise Guys?" "Nö, wieso?" "Wenn ich du wäre, würde ich da jetzt mal vorsingen ..." Hier nun ein ganz besonderes Sammlerstück: Eine Aufnahme mit Ferenc bevor er ein Wise Guy wurde: The UntunaBells: Patricia.


Montag, 22. Dezember 2014

Weihnachtsfeier bei Siemens

Eine Weihnachtsfeier bei Siemens - ich rechnete mit einem Ambiente aus Stahl, Glas, hohen Räumen und jungen Menschen, die man auch für Investmentbanker hätte halten können. So kann man sich irren ...

Das alte Kellergewölbe in dem wir auftreten gehört zu unseren bisher urigsten Auftrittsorten. Kerzen flackern auf Tischen in den Nischen des Raumes. Kellner bieten Fingerfood an und obwohl ich sonst vor dem Singen nicht esse, kann ich dieses Mal nicht widerstehen. Streng genommen war es wohl Bruschetta - aber diese kam aus einer anderen Welt.

Die Atmosphäre der Feier ist herzlich und als wir auftreten herrscht bald eine Stimmung wie auf einem unserer Konzerte. Alle singen mit, klatschen und ringen uns eine um die andere Zugabe ab. Ein schöner Abschluss für ein ereignisreiches Jahr ...

2014 begann mit einem unvergesslichen Casting. Und mit Martina als neuen Sopran waren wir für den Kraftakt, der nun folgte gerüstet. Bis zum Sommer schrieben, arrangierten und lernten wir zehn neue Lieder. Nicht einmal ein Jahr nach unserer Gründung konnten wir so mit unseren Gästen unser erstes Konzert feiern. Gute Musik, ein ausverkauftes Haus und riesige Stimmung ... Für alle, die nicht kommen konnten haben wir einen kurzen Zusammenschnitt angefertigt.

Dem folgte keinen Monat später eines meiner bisher bewegendsten Erlebnisse als Musiker - der Abschied von Philipp Brammer. Zunächst sangen wir auf seiner Beerdigung. Später nahmen wir für die Trauergäste und Freunde im Tonstudio "I g'hör do hie" auf. In dieser Zeit habe ich viel über ihn erfahren. Und diese Gespräche, wie auch die Momente der gedankenverlorenen Stille haben mich tief berührt - und tun es rückblickend noch heute.

In dieser Zeit zog es Martina weiter auf die Musicalbühnen dieser Welt und wir fanden Steffi - unseren Beitrag zum Erhalt der Bayrischen Sprache. Ein Anliegen, das uns wichtig ist, insbesondere seit die Unesco sie als schützenswert eingestuft hat - also nicht Steffi ... was natürlich nicht heißt ... hrrng, wie komme ich denn jetzt aus dieser Kiste wieder raus?

Ich freu' mich auf 2015 ...

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Geburtstag in Grünwald

"Wir hätten gerne den Witzigen für unsere Feier" "Wir können nur zu fünf auftreten." "Nein, der Witzige reicht."

Durch eine kleine Türe in der offen stehenden Garage treten wir auf das Grundstück und stehen auf einem wunderschönen, großzügig angelegten Rasen. Die angestrahlten Bäume geben den Konturen sanfte Akzente und im Hintergrund sehen wir durch hohe Sprossenfenster die Gäste der Feier. Ein kleiner Durchlass führt auf den gepflasterten Weg zum Haupteingang und mir wird bewusst, dass dies eben nicht der Garten war, sondern einfach nur die Wiese hinter der Garage. Es gibt eine Welt, die mir bisher verborgen geblieben ist ... die Possenhofener Schlösser der Gegenwart.

Wenn wir privat gebucht werden, sind wir immer auch Gäste. So auch dieses Mal.Wir werden herzlich empfangen, lachen und erzählen mit den Freunden der Familie, verbringen einen wundervollen Abend, während dem wir unseren ersten Auftritt mit Steffi geben. Es ist kaum zu glauben, dass sie gerade erst drei Monate bei Alpenlounge ist. Das sind Abende, die Spaß machen, den Gastgebern, den Gästen und auch uns. Oder in den Worten, mit denen wir verabschiedet wurden: "Vielen Dank - sie haben uns viel Freude bereitet." "Wir haben für diesen Abend zu danken. Die Freude war ganz auf unserer Seite."

Sonntag, 5. Oktober 2014

1 Tag im Tonstudio: "Rikscha" ist drin

Durch zwei schwere Stahltüren trete ich auf einen langgezogenen Flur. Rechts und links zweigen verschiedene Aufnahmeräume ab. Langsam gehe ich an den gepolsterten Doppeltüren vorbei, durch die dumpf Musik dringt.  - Hip Hop - Rock - Punk - ich bleibe stehen, als ein gewaltiger Riff meine Aufmerksamkeit erregt. Fetter Metal-Funk, Distortion, Gitarre und Bass laufen parallel, dann der Vokaleinsatz: "Scheiß Sommer!"

Ich schaue den Gang weiter hinunter, an dessen Ende unser Aufnahmeraum liegt. Irgendwie habe ich das Gefühl gleich vor einem Hünen von Tontechniker mit Biker-Tatoos und "Prospect" - Aufnäher zu stehen, dem ich erklären muss dass er heute a cappella abmischen wird. Dann fallen mir die goldenen CDs an der Wand auf ... Michael Mittermeier war hier ... Na dann ... Ich betrete den Aufnahmeraum und stehe vor Daniel, einem jugendlichen Zehnkämpfer mit unerschütterlich guter Laune, der uns für den Rest des Tages jeden Wunsch von den Augen ablesen wird. Alles passt.

Bernd singt seine Stimme als erster ein. Er zieht die Kopfhörer über und kann seine Vorfreude kaum verbergen. "Sing mal irgendwas, damit ich dich aussteuern kann" sagt Daniel. Dann folgt nur noch
" Hölle ..." Bernds unglaublicher Bass füllt den Regieraum. Zwei Takes später ist die Spur eingesungen und ich bin der festen Überzeugung, dass alles was nicht das tiefe E erreicht eine Frauenstimme ist und bei Elmar Gunsch der Stimmbruch ausgesetzt hat.

Dann ist Bernhard an der Reihe. Er singt präzise, rhythmisch auf den Punkt, blitzsauber in der Intonation bis... der Originaltext lautet: "Sie hob den Finger, sagte: ,Nein, ich genieß das Wetter lieber doch allein" Statt dessen hören wir aus den Boxen: "Sie schob den Finger ..." Wir werden nie erfahren wohin ... aber wir brauchen einen Moment bis wir mit den Aufnahmen fortfahren können. Dann ist auch er in zwei Takes durch.

Cordula arbeitet auf der Bühne mit der Atmosphäre, kann die magischen Momente, die mit dem Publikum entstehen sofort in Musik umsetzen. Nun steht sie wie ein Fisch ohne Wasser vor dem Mikro. Selbst unsere wahnsinns Performance, die sie durch die Scheibe sehen kann, ändert daran nichts. Dann macht sie die Augen zu und schaltet auf Kopfkino. Daniels Kommentar: "Echt amtlich".

Steffi steht vor der grössten Herausforderung. Wir hatten erst wenige gemeinsame Proben und nun muss sie sich unter diesen erschwerten Bedingungen in den Klang einfinden. Am Ende haben wir jedoch auch ihre Stimme erfolgreich eingefangen. Gut gemacht.
Go Alpenlounge! Was für ein Tag ... ich freue mich schon unglaublich auf das Ergebnis.